33 Jahre IHD: Noch immer ein langer Weg

Vor 33 Jahren wurde im Zuge des Militärputsches in der Türkei der Menschenrechtsverein IHD gegründet. Für die Istanbuler Vorsitzende Gülseren Yoleri ist noch ein weiter Weg zu bewältigen.

Der Menschenrechtsverein IHD wurde am 17. Juli 1986 mit 98 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen. Die 80er Jahre waren in der Türkei von der Militärjunta geprägt, die sich am 12. September 1980 mit westlicher Unterstützung an die Macht geputscht hat, um eine linke Alternative im NATO-Frontstaat Türkei zu verhindern. Vorbild war der Militärputsch in Chile. Das türkische Militär ließ mehr als 650.000 Menschen inhaftieren und foltern. 173 Personen wurden zu Tode gefoltert, Zeitungen, Magazine, Gewerkschaften, Vereine und politische Parteien verboten, ihre Vorsitzenden festgenommen und manche von ihnen inhaftiert. Zehntausende wurden während des Notstands in den Gefängnissen festgehalten, misshandelt und gefoltert. Die politischen Gefangen hielten mit Hungerstreiks und Todesfasten dagegen. Viele Gefangene starben aufgrund der Haftbedingungen.

Unter den Gründungsmitgliedern des IHD finden sich Angehörige von Gefangenen, Schriftsteller*innen, Journalist*innen, Verleger*innen, Akademiker*innen, Anwält*innen, Ärzt*innen, Archtekt*innen, Ingeneur*innen und Lehrer*innen. Seit 33 Jahren bildet der IHD die Vorhut im Kampf um Menschenrechte in der Türkei und Nordkurdistan. Der IHD unterstützte neben den Samstagsmüttern, die um das Schicksal ihrer „verschwundenen“ Angehörigen kämpfen, zahllose Kampagnen und machte die schweren Menschenrechtsverletzungen in der Türkei öffentlich.

Wir haben mit der Vorsitzenden der Istanbuler IHD-Zweigstelle, Gülseren Yoleri, über den 33-jährigen Kampf des IHD gesprochen.

Zusammenschluss für Rechte und Freiheiten

Gülseren Yoleri sagt, die letzten 33 Jahre seien eine sehr gewalttätige Zeit gewesen. Nach der Verwüstung, die der Putsch von 1980 angerichtet hat, war der IHD dringend notwendig: „Zu dieser Zeit stellte der IHD einen wichtigen Faktor dar, der der gesamten gesellschaftlichen Opposition Energie gab. Gleichzeitig zeigte die Gründung des Vereins etwas: Es gab in allen gesellschaftlichen Bereichen Menschen, die für Menschenrechte und Freiheit kämpfen wollten, aber es war ein Punkt, ein Fokus nötig, um sie alle zusammenzubringen. Ein solcher Punkt war die Garantie der grundsätzlichsten Menschenrechte und Grundfreiheiten, und der Menschenrechtverein war der Ort dafür.“

Vom ersten Tag an ein schwerer Kampf

„Vom ersten Tag an hat der IHD einen schweren Kampf auf sich genommen und bis heute weitergeführt“, erklärt Gülseren Yoleri: „Es war eine Reise, denn die Menschenrechtsverteidiger haben das ganze Unrecht in der Gesellschaft selbst zu spüren bekommen. Manchmal war es vielleicht auch etwas mehr, denn wenn alle zum Schweigen gebracht wurden, war es an ihnen, ihre Stimme zu erheben. Das ist unsere Mission. Der Staat hat versucht, die Menschenrechtsverteidiger, die ihre Mission erfüllten, ebenfalls zum Schweigen zu bringen. Dafür wurden unsere Vorstandsmitglieder entführt, ermordet, sind ‚verschwunden‘ oder wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Es war uns auch zu den schlimmsten Zeiten nicht möglich, zu schweigen oder den Kampf einzustellen, denn das hätte bedeutet, unsere Menschlichkeit, unsere menschlichen Werte aufzugeben. Deswegen gehen wir unseren Weg weiter.“

„Wir fragen nicht nach Religion, Geschlecht, Herkunft oder politischer Haltung“

Gefragt nach den wichtigsten Errungenschaften des Vereins erklärt Yoleri: „Der IHD hat auf seiner 33-jährigen Reise sehr wichtige Werte geschaffen. Dazu gehören unsere Arbeitsgrundsätze. Wir stehen an der Seite derjenigen, die Rechtsverletzungen erleiden, gegen die Täter. Wir unterscheiden nicht zwischen den Betroffenen, das ist allen Teilen der Gesellschaft bekannt. Für uns ist wichtig, ob eine Person Rechtsverletzungen erlitten hat. Wenn das der Fall ist, werden wir ohne Ansehen der politischen, ethnischen und religiösen Identität oder des Geschlechts aktiv. Der größte Vorteil, den wir in dieser Zeit geschaffen haben, ist eigentlich das Vertrauen. Wir sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Wenn ein Opfer in unseren Verein kommt, dann kann es sich sicher sein, dass keine Information aus seinen Angaben gegen seinen Willen preisgegeben wird.“

Unser Weg ist lang, der Faschismus hält an

Obwohl ihr Traum vom Ende der Menschenrechtsverletzungen in naher Zukunft nicht in Erfüllung gehen wird, ist sich die IHD-Vorsitzende sicher, dass der Verein seinen Weg entschlossen fortsetzen wird: „Wir müssen auf unserem weiteren Weg stärker werden. Natürlich kann man die Frage der Menschenrechte nicht auf einen Verein reduzieren, aber wir können sagen, dass der IHD eine sehr wichtige, ja unabdingbare Rolle dabei spielt. Unser Weg ist lang und hart, denn der Faschismus wirkt sich direkt auf unser Leben aus. Den IHD gibt es jetzt seit 33 Jahren und wir rufen zu unserem Jahrestag alle auf, unseren Verein weiter zu stärken, Mitglied zu werden, in den Kommissionen mitzuarbeiten oder anderweitig aktiv zu werden.“

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