27-Meter in Gedenken an Opfer von Hanau

Vier Monate ist der rassistische Anschlag von Hanau her. Am Freitagvormittag wurde unterhalb der Friedensbrücke in Frankfurt ein Gedenk-Graffiti in Erinnerung an die Ermordeten von Hanau eingeweiht.

DÎLAN KARACADAG/HANAU

Genau vier Monate nach dem rassistischen Anschlag von Hanau ist am Freitag in Frankfurt am Main ein Wandbild in Gedenken an die Opfer eingeweiht worden. Das 27 Meter lange Gemälde unter der Friedensbrücke zeigt die Porträts von Ferhat Unvar, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtovic, Said Nessar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Fatih Saracoglu, Kaloyan Velkow und Vili Viorel Paun. Sie waren am 19. Februar bei einem rassistisch motivierten Anschlag von Tobias Rathjen ermordet worden, der im Anschluss seine Mutter und sich selbst tötete. Seitdem gedenken viele Angehörige und Unterstützer*innen monatlich den Opfern, um so die Erinnerung an sie und die Forderung nach einer lückenlosen Aufklärung des Anschlags sowie der Aufarbeitung der strukturell-rassistischen gesellschaftlichen Hintergründe aufrecht zu erhalten.

Gemalt wurde das Gedenk-Graffiti von einem Künstler*innenkollektiv aus Freund*innen, Angehörigen und Antifaschist*innen am Brückenpfeiler auf der nördlichen Mainseite. Der Ort wurde geschaffen, um ein würdevolles Gedenken an die Toten von Hanau zu ermöglichen.

Fotos: Dîlan Karacadağ | Yeni Özgür Politika

Angehörige legten Blumen nieder

Zur Vorstellung des Wandbilds kamen viele Menschen und legten Blumen nieder. Das Gemälde solle zeigen, welches Leid Rassismus anrichte, sagte der Bruder eines der Opfer, Cetin Gültekin. Er sagte, auch Parteien heizten Rassismus bewusst an, etwa die Alternative für Deutschland (AfD).

Nach der Einweihung wurden die Gräber der Toten in Hanau, Dietzenbach und Mühlheim am Main besucht. Danach zogen die Menschen vor das Denkmal für Jakob und Wilhelm Grimm auf dem Hanauer Markplatz, legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Der Marmorsockel, auf dem die Statuen der Gebrüder Grimm stehen, ist seit dem rassistischen Anschlag vom 19. Februar eine zentrale Trauerstätte der Stadt geworden.